PRP bei Haarausfall: Wie Eigenblut das Haarwachstum anregen kann
PRP (Platelet-Rich Plasma) ist eine zunehmend beliebte Methode gegen Haarausfall. Dieser Artikel erklärt verständlich, wie PRP wirkt, für wen die Behandlung geeignet ist, wie der Ablauf aussieht, welche Ergebnisse realistisch sind und welche Risiken und Kosten zu erwarten sind.
Was ist PRP und wie funktioniert es?
PRP steht für „Platelet-Rich Plasma“ (plättchenreiches Plasma) und gehört zu den Eigenblutverfahren. Aus einer kleinen Blutmenge des Patienten werden Blutplättchen (Thrombozyten) in konzentrierter Form gewonnen. Diese Platelets setzen Wachstumsfaktoren frei, die Zellregeneration, Durchblutung und Heilungsprozesse fördern können. Bei PRP bei Haarausfall wird das aufbereitete Plasma gezielt in die Kopfhaut injiziert, um ruhende oder geschwächte Haarfollikel zu stimulieren.
Für wen ist PRP geeignet?
- Vorwiegend geeignet bei leichtem bis moderatem androgenetischem Haarausfall (erblich bedingter Haarausfall) und bei einigen Formen des Diffusen Haarausfalls.
- Besserer Erfolg wird oft bei frühen Stadien beobachtet, wenn Haarfollikel noch nicht dauerhaft geschädigt oder vernarbt sind.
- Nicht optimal bei vernarbenden Alopezien (Narbenbildung) oder fortgeschrittenem kompletten Haarausfall.
- Kontraindikationen: aktive Kopfhautinfektionen, schwere Blutgerinnungsstörungen, bestimmte systemische Erkrankungen oder die Einnahme bestimmter Blutverdünner (ärztliche Abklärung nötig).
Ablauf der PRP-Behandlung
Ein typischer Behandlungsablauf umfasst:
- Anamnese und Untersuchungsgespräch: Ausschluss von Ursachen, Besprechen von Erwartungen.
- Blutabnahme: Etwa 10–20 ml Blut wird entnommen.
- Zentrifugation: Trennung von Plasma und Erythrozyten; Gewinnung von plättchenreichem Plasma.
- Injektion: Das PRP wird mit feinen Nadeln in die Kopfhaut (z. B. 0,5–1,5 cm Abstand) injiziert oder mit Microneedling kombiniert.
- Nachsorge: Kühlung, Hinweise zu Sport/Alkohol/Medikamenten kurz nach der Behandlung.
Übliches Protokoll: 3 Behandlungen im Abstand von 4–6 Wochen, dann Erhaltungsbehandlungen alle 3–6 Monate. Pro Sitzungsdauer sind 30–60 Minuten realistisch.
Wann sind Ergebnisse sichtbar?
Erste Verbesserungen (weniger Haarausfall, dicker werdende Haare) zeigen sich oft nach 3–6 Monaten. Volle Effekte und messbare Zunahmen an Haardichte brauchen gewöhnlich 6–12 Monate. Die Reaktion ist individuell unterschiedlich; manche Patienten bemerken deutliche Besserung, andere nur geringe Effekte.
Wirksamkeit und wissenschaftliche Lage
Studien zeigen, dass PRP als Ergänzung zu etablierten Therapien (z. B. Minoxidil, Finasterid) positive Effekte haben kann. Systematische Übersichten kommen zu dem Schluss, dass PRP Haarwachstum und Haardichte bei androgenetischer Alopezie moderat verbessern kann, die Qualität der Studien variiert jedoch. Eine pauschale Garantie für jeden Patienten gibt es nicht.
Weiterführende Informationen und Klinikveröffentlichungen finden Sie z. B. hier: USZ – PRP-Behandlung bei Haarausfall oder in der medizinischen Literatur: PubMed: PRP und androgenetische Alopezie.
Kombinationstherapien
- PRP kann zusammen mit topischen Mitteln wie Minoxidil oder systemischer Therapie (Finasterid bei Männern) angewendet werden.
- Bei Haartransplantationen kann PRP die Heilung fördern und das Anwachsen verbessern.
- Microneedling + PRP ist eine häufige Kombination zur besseren Penetration und zusätzlichen Stimulation.
Risiken und Nebenwirkungen
Da PRP körpereigenes Material verwendet, sind allergische Reaktionen selten. Mögliche Nebenwirkungen:
- Schmerzen an der Injektionsstelle, kurzfristige Rötung und Schwellung
- leichte Blutergüsse
- Infektionsrisiko (selten) — deshalb sterile Technik wichtig
- kurzfristige Kopfhautschuppen oder Sensibilitätsveränderungen
Schwere Komplikationen sind sehr selten, sollten aber mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Kosten
Die Kosten für PRP bei Haarausfall variieren je nach Praxis, Region und verwendeter Aufbereitungstechnik. In Deutschland liegen die Preise pro Sitzung häufig zwischen 200 und 700 Euro. Für ein Standardpaket (3 Sitzungen + Erhaltungsbehandlung) sollten Patienten mit einigen hundert bis über tausend Euro rechnen. Manche Kliniken bieten Paketpreise an; eine transparente Kostenaufstellung ist vor Behandlungsbeginn wichtig.
Tipps zur Auswahl der Praxis
- Wählen Sie eine dermatologisch oder plastisch-chirurgisch erfahrene Praxis mit Ausbildungsnachweis.
- Fragen Sie nach der verwendeten PRP-Methode (Einteilung, Zentrifugenprotokoll, Platelet-Konzentrat).
- Bestehen Sie auf Aufklärung zu möglichen Alternativen und Erfolgsaussichten.
- Lesen Sie Patientenbewertungen und sehen Sie sich Vorher-Nachher-Fotos an, die idealerweise vom behandelnden Team stammen.
Fazit
PRP ist eine relativ risikoarme, natürliche Methode, die bei vielen Patienten mit frühem bis moderatem Haarausfall die Haardichte und Haarqualität verbessern kann. Die Erfolge sind individuell und hängen von Ursache, Stadium des Haarverlustes und begleitender Therapie ab. Eine fachärztliche Abklärung und realistische Erwartungshaltung sind wichtig. Wenn Sie PRP in Erwägung ziehen, lassen Sie sich von einer erfahrenen Praxis beraten und holen Sie Informationen zu Protokoll, Kosten und möglichen Kombinationstherapien ein.
Weiterführende Links und Quellen: