Dr. Rimkus Methode: Natürliche Hormontherapie erklärt und kritisch bewertet
Die Dr. Rimkus Methode ist eine seit Jahrzehnten angewandte Form der Behandlung mit bioidentischen Hormonen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Methode funktioniert, für wen sie infrage kommt, welche Vorteile und Risiken diskutiert werden und welche Fragen Sie vor einer Behandlung stellen sollten.
Was ist die Dr. Rimkus Methode?
Die Dr. Rimkus Methode (häufig auch Rimkus®-Methode geschrieben) wurde von Dr. med. Volker Rimkus entwickelt. Sie beschreibt ein Konzept zur Substitution von Hormonmängeln mit sogenannten bioidentischen oder naturidentischen Hormonen. Ziel ist es, hormonelle Defizite (z. B. in den Wechseljahren oder bei Andropause) symptomgerecht auszugleichen, um Lebensqualität, Schlaf, Stimmung und Stoffwechsel zu verbessern.
Wie funktioniert die Methode?
Bei der Dr. Rimkus Methode werden Hormone verwendet, deren Struktur mit den körpereigenen Hormonen identisch ist (z. B. Bioidentisches Estradiol, Progesteron, Testosteron, DHEA). Diese Hormone werden in verschiedenen Galenika (Cremes, Gele, Kapseln) verabreicht. Die Dosierung wird individuell angepasst – basierend auf Anamnese, Symptomen und teilweise Labortests. Dr. Rimkus propagierte eine langjährige praktische Erfahrung mit diesen Präparaten und betont eine individuelle, symptombezogene Einstellung.
Welche Hormone kommen zum Einsatz?
- Estradiol (bei Östrogenmangel)
- Progesteron (bei Progesteronmangel, insbesondere bei Frauen mit Gebärmutter)
- Testosteron (bei niedrigem Androgenspiegel, z. B. bei Frauen mit anhaltender Libido- oder Energieeinschränkung)
- DHEA und gegebenenfalls weitere Steroide
Die genaue Kombination und Formulierung wird individuell gewählt.
Potenzielle Vorteile der Dr. Rimkus Methode
- Individuelle Therapie: Dosen und Kombinationen werden an Beschwerden angepasst.
- Bioidentische Hormone: Befürworter sehen hierin einen Vorteil gegenüber synthetischen Hormonwirkstoffen.
- Verschiedene Applikationsformen (topisch, oral) ermöglichen flexible Anwendungen.
- Langjährige praktische Erfahrung in Deutschland – viele Anwenderinnen berichten symptomatischer Verbesserungen.
Kritik, Risiken und wissenschaftliche Lage
Wichtig ist eine realistische Einschätzung: Die rimkus-Methode ist kein einheitlich standardisiertes, durch groß angelegte randomisierte Studien umfangreich belegtes Verfahren. Kritikpunkte und Risiken sind:
- Fehlende große RCTs: Es gibt keine umfassenden randomisierten, placebokontrollierten Studien, die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit speziell für die Rimkus®-Protokolle eindeutig belegen.
- Dosierungs- und Qualitätsfragen: Komplexe galenische Zubereitungen können in ihrer Zusammensetzung und Bioverfügbarkeit variieren. Die Deutsche Apotheker-Zeitung hat z. B. über Fragen zur Zusammensetzung von Kapseln berichtet.
- Sterblichkeits- und Nebenwirkungsrisiken: Wie bei jeder Hormonersatztherapie gibt es Risiken (Thromboserisiko, Brustkrebsrisiko oder kardiovaskuläre Effekte) die von Dosis, Präparattyp und individuellem Risikoprofil abhängen. Diese Risiken sind Thema intensiver ärztlicher Abwägung.
- Informationslage: Manche Anbieter präsentieren die Methode als besonders „natürlich“ und sicher — das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie für jede Patientin besser oder sicherer ist als etablierte Hormontherapien.
Ablauf: Was Sie bei einer Behandlung erwarten können
- Ausführliches Erstgespräch und Anamnese (Beschwerden, Vorerkrankungen, Risikofaktoren).
- Gegebenenfalls Laboruntersuchungen (Blut, seltener Speichel), um Ausgangswerte zu kennen.
- Individuelle Rezeptur und Auswahl der Applikationsform (Cremes, Gels, Kapseln).
- Therapieeinstellung über Wochen bis Monate mit Verlaufskontrollen.
- Regelmäßige Nachsorge: Symptome, Laborwerte und ggf. Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Brust- und Gebärmutterkontrolle) werden überwacht.
Für wen eignet sich die Dr. Rimkus Methode?
Mögliche Kandidaten sind Personen mit klaren Symptomen eines Hormonmangels (Wechseljahrsbeschwerden, sexuelle Funktionsstörungen, ausgeprägte Müdigkeit) und ohne relevante Kontraindikationen für eine Hormontherapie. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit einer fachkundigen Ärztin bzw. einem fachkundigen Arzt getroffen werden. Bei bekannten Risikofaktoren (z. B. bestimmte Krebserkrankungen, thromboembolische Erkrankungen) ist besondere Vorsicht geboten.
Fragen, die Sie vor einer Behandlung stellen sollten
- Welche Hormone werden genau eingesetzt und warum?
- Welche Formulierungen und Applikationswege sind geplant?
- Welche Vorteile und Risiken bestehen in meinem individuellen Fall?
- Wie wird die Therapie überwacht und wie lange soll sie dauern?
- Gibt es unabhängige Studien oder Erfahrungen aus der Praxis, auf die man sich stützen kann?
Wissenschaftliche und regulatorische Hinweise
Die Debatte um bioidentische Hormone ist international: Während viele Ärztinnen und Ärzte positive Erfahrungen berichten, fordern Fachgesellschaften und Wissenschaftlerinnen/wissenschaftler solide Studiendaten und standardisierte Qualitätskontrollen. In Deutschland bieten Netzwerke wie das Hormon-Netzwerk Informationen für Behandelnde und Patientinnen; spezialisierte Zentren (z. B. Menopause-Zentren) informieren über Behandlungsoptionen.
Fazit
Die Dr. Rimkus Methode ist ein etabliertes, individuell anpassbares Konzept zur Behandlung hormoneller Defizite mit bioidentischen Hormonen. Viele Patientinnen berichten von Verbesserungen, doch die wissenschaftliche Datenlage ist nicht so umfassend wie bei manchen konventionellen Hormontherapien. Eine fundierte Aufklärung, sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken sowie regelmäßige ärztliche Überwachung sind entscheidend. Wenn Sie eine Behandlung erwägen, suchen Sie eine qualifizierte Ärztin/einen qualifizierten Arzt, vergleichen Sie Informationen aus unabhängigen Quellen und stellen Sie die oben genannten Fragen.
Weiterführende Links und Quellen: