Schröpfkopftherapie: Wie sie wirkt, wann sie hilft und worauf Sie achten sollten
Die Schröpfkopftherapie gehört zu den ältesten Heilverfahren der Welt — doch was kann modernes Schröpfen heute wirklich leisten? Dieser Beitrag erklärt Wirkung, Anwendungsformen, Risiken und worauf Sie bei der Auswahl eines Praktikers achten sollten.
Was ist Schröpfkopftherapie?
Die Schröpfkopftherapie (umgangssprachlich: Schröpfen) ist ein manuelles Verfahren, bei dem durch Unterdruck auf der Haut lokale Durchblutung und Stoffwechselvorgänge angeregt werden. Dazu werden Schröpfgläser oder -köpfe (Glas, Kunststoff oder Silikon) auf der Haut platziert. Das erzeugte Vakuum „saugt" die Haut leicht an und führt zu sichtbaren Rötungen oder Hämatomen, die als Zeichen der Wirkung gelten.
Kurz: Arten des Schröpfens
- Trockenschröpfen: Vakuum wird erzeugt und die Schröpfköpfe verbleiben statisch auf der Haut.
- Nassschröpfen (blutiges Schröpfen): Vorher werden kleine Hautschnitte gesetzt, um eine minimale Blutung zu ermöglichen; heutzutage seltener und nur bei entsprechend ausgebildeten Therapeuten.
- Gleit- oder Schröpfkopfmassage: Öl wird verwendet und die Schröpfköpfe werden über die Haut verschoben.
- Feuerschröpfen: Traditionelle Methode, bei der mittels brennender Flamme ein Unterdruck im Glas erzeugt wird.
Wie wirkt Schröpfen? (physiologisch)
Durch den Unterdruck erweitert sich das Gefäßbett in der Haut und dem Unterhautgewebe, was zu verstärkter Durchblutung (Hyperämie), Flüssigkeitsverschiebung und lokalem Gewebestoffwechsel führt. Reflexzonen und segmentale Zusammenhänge können stimuliert werden, wodurch eine Schmerzlinderung erfolgen kann. Daneben werden Faszien und Muskulatur mechanisch beeinflusst.
Anwendungsgebiete
- Chronische und akute Muskel- und Gelenkschmerzen (Nacken, Rücken, Schulter).
- Kopfschmerzen und Migräne als ergänzende Maßnahme.
- Verspannungen und myofasziale Triggerpunkte.
- Beschwerden des Bewegungsapparates bei Arthrose oder Überlastung.
- In einigen Traditionen auch zur Unterstützung bei Atemwegs- oder Verdauungsbeschwerden.
Die Schröpfkopftherapie wird häufig kombiniert mit Physiotherapie, Massagen, Akupunktur oder Osteopathie.
Was sagt die Wissenschaft?
Die Studienlage ist gemischt: Es gibt klinische Studien und systematische Übersichten, die für bestimmte Indikationen wie chronische Rückenschmerzen oder Nackenschmerzen eine spürbare Schmerzlinderung gegenüber Kontrollgruppen berichten. Allerdings sind viele Studien klein, heterogen in Methoden (Art des Schröpfens, Anzahl der Sitzungen) und von unterschiedlicher Qualität. Eine nüchterne Einschätzung lautet: Schröpfen kann eine ergänzende Option zur Schmerzlinderung sein, ist jedoch kein Ersatz für evidenzbasierte Standardtherapien bei ernsthaften Erkrankungen. Weiterführende Informationen finden Sie z. B. beim Paracelsus-Magazin oder in Fachartikeln zur Schmerztherapie (siehe Quellen unten).
Kontraindikationen und Risiken
Schröpfen ist nicht für alle Patienten geeignet. Wichtige Gegenanzeigen sind:
- Blutgerinnungsstörungen oder Einnahme von Antikoagulanzien
- Akute Infektionen oder entzündliche Hauterkrankungen im Behandlungsbereich
- offene Wunden, frische Narben
- Hämophilie oder starke Neigung zu Hämatomen
- schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwangerschaftsabschnitte (bei manchen Formen)
Häufige Nebenwirkungen: Hautrötungen, blaue Flecken (Hämatome), Druck- oder Zuggefühl. Bei unsachgemäßer Anwendung besteht selten das Risiko von Infektionen, Verbrennungen (bei Feuerschröpfen) oder Narbenbildung.
Ablauf einer typischen Behandlung
- Anamnese: Abklärung von Vorerkrankungen, Medikamenten und Erwartungen.
- Patientenaufklärung und Einverständnis.
- Positionierung und ggf. Einölen der Haut (bei Gleitverfahren).
- Platzierung der Schröpfköpfe und Einstellen des Unterdrucks (manuell oder per Pumpe).
- Dauer: meist 5–15 Minuten pro Bereich, Gesamtbehandlungszeit 20–45 Minuten.
- Nachsorge: Beobachtung, Tipps zur Pflege (kühlen/wärmen je nach Situation, ausreichend trinken, Ruhe).
Wie finde ich einen geeigneten Therapeuten?
- Suchen Sie nach qualifizierten Physiotherapeuten, Heilpraktikern oder Ärzten mit entsprechender Ausbildung.
- Achten Sie auf Hygiene, zertifizierte Materialien und eine klare Aufklärung vor der Behandlung.
- Fragen Sie nach der Erfahrung mit der jeweiligen Schröpfmethode (trocken, nass, gleitend).
Praktische Tipps vor und nach der Behandlung
- Kommen Sie ausgeruht und trinken Sie vor der Sitzung Wasser.
- Vermeiden Sie direkt vor und nach der Behandlung übermäßige Kälte (Eis) oder Sauna, bis die Haut beruhigt ist.
- Erwarten Sie lokale Verfärbungen; sie verblassen innerhalb von Tagen bis zwei Wochen.
- Bei anhaltenden Schmerzen, Fieber oder ungewöhnlichen Reaktionen Arzt aufsuchen.
Quellen und weiterführende Links
- Paracelsus Magazin: Die Schröpfkopftherapie
- Thieme: Schröpfen als Therapieoption bei Schmerzen
- Praxisbeispiel: Schröpfkopftherapie in der Naturheilpraxis
Fazit
Die Schröpfkopftherapie kann als ergänzende Methode bei Muskel- und Gelenkbeschwerden wirksam sein und bietet eine relativ einfache, immediate Wirkung durch lokale Durchblutungssteigerung. Wichtig sind eine sorgfältige Indikationsstellung, hygienische Durchführung und realistische Erwartungen. Bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden sollte immer zunächst eine ärztliche Abklärung erfolgen.
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