Schröpfen bei Erkältung: Wie die alte Methode Symptome lindern kann — Wirkung, Anwendung und Risiken
Schröpfen wird seit Jahrhunderten bei Erkältungen und Erkältungssymptomen eingesetzt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Schröpfen bei einer Erkältung wirken kann, welche Methoden es gibt, welche Risiken bestehen und wann Sie besser einen Arzt aufsuchen sollten.
Was ist Schröpfen — kurz erklärt
Schröpfen ist eine traditionelle naturheilkundliche Therapie, bei der durch Unterdruck in kleinen Bechern Haut und oberflächliches Gewebe angehoben werden. Es gibt verschiedene Varianten: trockenes Schröpfen (nur Unterdruck), Schröpfen in Kombination mit Massage (Gua Sha/Schröpfmassage) und das blutige Schröpfen (mit kleinen Hautschnitten, um geringes Blut abzulassen). Moderne Varianten benutzen Gläser, Kunststoff- oder Silikon-Schälchen.
Warum wird Schröpfen bei Erkältung angewendet?
In der Naturheilkunde wird Schröpfen bei Erkältungen vor allem eingesetzt, um:
- lokale Durchblutung und Lymphfluss zu fördern,
- Muskelverspannungen im Brust- und Schulterbereich zu lösen,
- die Selbstheilungskräfte zu stimulieren und
- Symptome wie Husten, Hals- und Brustschmerzen vorübergehend zu lindern.
Die Behandlung erfolgt häufig an Rücken- oder Brustregionen entlang sogenannter Reflexzonen. Viele Patientinnen und Patienten berichten von sofortiger Linderung von Druckgefühl, Hustenreiz oder Verspannungen.
Welche Effekte sind wissenschaftlich belegt?
Die Datenlage zu Schröpfen bei Erkältungen ist begrenzt. Einige Studien und Übersichtsarbeiten zeigen Hinweise darauf, dass Schröpfen Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern kann, vor allem bei muskuloskelettalen Beschwerden. Für akute Atemwegsinfekte wie die gewöhnliche Erkältung fehlen jedoch überzeugende, qualitativ hochwertige Randomized Controlled Trials, die einen klaren Nutzen belegen.
Wer sich über die Studienlage informieren möchte, findet eine Übersicht zu Schröpftherapien in populärwissenschaftlichen Portalen wie der Apotheken Umschau oder den Informationsseiten der Krankenkassen, z. B. der AOK. Für wissenschaftliche Literatur bietet sich die Suche in PubMed an: PubMed: cupping therapy.
So wird Schröpfen bei Erkältung typischerweise angewendet
Die Behandlung sollte immer von einer ausgebildeten Person (Heilpraktiker:in, Physiotherapeut:in mit entsprechender Zusatzqualifikation oder Arzt/Ärztin) durchgeführt werden. Ablauf:
- Anamnese: Klärung von Symptomen, Vorerkrankungen und Medikamenten (z. B. Blutverdünner).
- Wahl der Methode: trockenes Schröpfen oder Schröpfmassage bei akuten Verspannungen; blutiges Schröpfen seltener und nur unter speziellen Voraussetzungen.
- Platzierung der Schröpfköpfe (meist auf dem Rücken entlang der Schulterblätter und Brustwirbelsäule).
- Dauer: oft 5–15 Minuten pro Stelle; bei Schröpfmassage werden die Becher über die Haut bewegt.
- Nachsorge: Ruhe, warme Kleidung, Hautpflege — wegen der häufig entstehenden runden Rötungen oder blauen Flecken.
Welche Vorteile kann Schröpfen bei Erkältung bieten?
- Schnelle Linderung von Muskelverspannungen in Nacken, Rücken und Brust, die bei Husten oft verstärkt auftreten.
- Gefühl der Befreiung in Brust und Atmung durch verbesserte Durchblutung.
- Entspannung und subjektive Symptomverbesserung — der Placeboeffekt spielt eine Rolle, aber das ist klinisch relevant, wenn sich Patientinnen und Patienten besser fühlen.
Risiken und Nebenwirkungen — worauf Sie achten sollten
Schröpfen ist nicht komplikationsfrei. Häufige Nebenwirkungen sind:
- Hautrötungen, punktuelle Blutergüsse (normal und oft erwünscht),
- leichte Schmerzen an der behandelten Stelle,
- selten Infektionen bei mangelnder Hygiene (insbesondere beim blutigen Schröpfen).
Kontraindikationen — Schröpfen sollte nicht angewendet werden bei:
- aktiver Blutungsneigung oder Einnahme von Antikoagulanzien (z. B. Marcumar, DOACs),
- Fieber über 38,5 °C, ausgeprägter Entzündung, akuten Hauterkrankungen oder offenen Wunden an der Behandlungsstelle,
- Schwangerschaft (bestimmte Stellen und Methoden),
- Schwere kardiovaskuläre Erkrankungen oder schwerwiegenden Grunderkrankungen ohne Rücksprache mit dem Arzt.
Praktische Tipps, wenn Sie Schröpfen bei Erkältung in Erwägung ziehen
- Suchen Sie eine qualifizierte Therapeutin oder einen Therapeuten mit Erfahrung in Schröpftherapie.
- Informieren Sie über Begleittherapien: Inhalationen, Wärme, Flüssigkeitsaufnahme, Ruhe und gegebenenfalls Hustenstillende oder schleimlösende Mittel nach ärztlicher Empfehlung.
- Erwarten Sie keine Wunder — Schröpfen kann symptomatisch helfen, ersetzt aber nicht notwendige medizinische Abklärung bei Warnzeichen.
- Bei Unsicherheit: Fotografieren Sie Hautveränderungen nach der Behandlung und besprechen Sie sie beim nächsten Termin.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Bei folgenden Symptomen sofort ärztlicher Rat notwendig:
- hohes oder anhaltendes Fieber,
- Atemnot oder Atembeschwerden,
- starker, anhaltender Brustschmerz,
- blutiger oder eitriger Auswurf,
- plötzliche Verschlechterung trotz Behandlung.
Fazit
Schröpfen bei Erkältung kann vor allem kurzfristig Verspannungen lösen und das subjektive Wohlbefinden verbessern. Die wissenschaftliche Evidenz speziell für die Behandlung von Erkältungen ist jedoch begrenzt. Nutzen und Risiken sollten sorgfältig abgewogen werden — besonders bei Blutungsneigung, Einnahme von Blutverdünnern oder schwereren Vorerkrankungen. Bei Unsicherheit oder Warnzeichen immer eine ärztliche Abklärung suchen.
Weiterführende Informationen: Apotheken Umschau: Schröpfen, AOK: Schröpfen, PubMed: cupping therapy.
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